eschreibung der Grafschaft ErsontDie Pforte von Somback
Zwei Tage, nachdem wir die Garnisonsstadt Mendel verlassen hatten, in der wir uns für die Einreisepapiere in die Grafschaft Ersont versorgt hatten, erreichten wir den Grenzwall. Erstaunlich klein kam er uns vor, nur eine einfache Steinmauer, keine vier Schritte hoch und ohne Wehrgang oder Brüstung. Der Grenzwall durchlief so die gesamte Pforte von Somback zwischen dem Laree und den Ausläufern des Klauengebirges.
Je näher wir dem Grenzwall und seinem Hauptposten an der großen Handelsstraße nach Norden, die über Ersonts Tal hinaus gehen soll, kamen, desto steiler wurde auch der Anstieg. Auch wenn die Pforte von Somback ein Bergsattel zwischen den Hochgebirgen ist, so steigt die bald dicht bewaldete Ebene auch nördlich des Passes immer weiter zwischen den Bergen in den Höhenwald der Region, den Drakenwald, an. Erst später, etwa auf der Mitte der Grafschaft, fällt sie wieder in die Ebene ab, die sich über die Grenzen hinweg in die eisigen Gebiete Khalandras ergießt.
Nach erfolgreicher Kontrolle unserer Reisedokumente ließ man uns den Grenzposten durchschreiten und so machten wir uns auf den weiteren Weg in Richtung Norden. Schnell merkten wir, was uns bei der Vorbereitung der Fahrt immer wieder gesagt worden war, wir aber immer wieder in Zweifel gezogen hatten: Die Pforte von Somback war eine Wetterscheide. Die Winde, welche hier pfiffen, kamen direkt aus nördlicher Richtung heruntergerauscht und brachen sich an den Wipfeln der mächtigen Nadelbäume des Drakenwaldes. Schneematsch im Querler.
Schnell hatten wir uns die dicken Fellkleider angezogen und den Ritt fortgesetzt, ehe wir das erste Militärlager entdeckten. Das galadonische Heer baut sich auf drei starken Säulen auf: den Königstruppen in Bernstein, den südlichen Heeren Herders und den nördlichen Heeren Ersonts. Hier wurden die Abgaben der Baronien und Grafschaften in Männer, Pferde und Waffen umgesetzt, um den Frieden des Reiches zu sichern.
Dem schon etwas rauerem Klima geschuldet, waren die Truppenlager in massivem Stein gehalten und im Grundriss an ein "U" angelehnt Die geschlossene Seite zeigte regelmäßig fenster- und torlos nach Norden, während die geöffnete einen großen Hof zum Exerzieren und Arbeiten einschloss. An fast allen Militärlagern hatten sich zivile Siedlungen angeschlossen und vollendeten die Siedlungsbauweise so meist zu einem Kreis, da man sie auf der südlichen Seite, in Windschatten der Steinmauern, angelegt hatte.
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Ersonts Tal
Auf unserem Weg nach Norden ritten wir auf der Handelsstraße wohl an vierzig solcher Lager vorbei oder fanden Unterkunft in den angelehnten zivilen Siedlungen, bis wir schließlich an die Stadt Ersonts Tal gelangten, den Grafensitz. Allgemein waren wir überall sehr gastfreundlich aufgenommen worden. Durch eine verbindliche Preisliste des Grafen auf allerlei wichtige Waren leerte sich unsere Geldkatze lange nicht in dem Tempo, welches wir hier erwartet hätten. Anscheinend sollten die Soldaten nicht teuer leben, was den Grafen sicherlich vor Soldaufstockungen schützen sollte.
Was allerdings auffiel war, dass es praktisch keine zivile Verwaltungsstruktur in Ersont zu geben schien. Bauernhöfe gehörten automatisch zu den Siedlungen hinzu. Diese wurden vom jeweiligen Militärstützpunkt in allen Belangen mitverwaltet und eigene zivile Siedlungen oder Städte begegneten uns erst sehr spät auf unserer Reise und bildeten somit die absolute Ausnahme. Die militärische Hand war streng und zielgerichtet in ihrer Umsetzung. So tagten Gerichte täglich und nicht, wie man es kennt, nur jedes halbe Jahr. Vollstreckt wurde ohne Verzug, doch waren die Soldaten, die wir zu Gesicht bekamen durchweg gut gekleidet, ausgerüstet und wohl auch ausgebildet. Sie waren im Umgangston fast höflich, etwas, dass wir außerhalb der königlichen Truppen selbst so noch nicht erlebt hatten. Es schien uns, als hielte man hier die alte Form der ehrenhaften militärischen Disziplin noch aufrecht.
So sahen wir inzwischen auf der nur noch karg bewachsenen Ebene von Skap angekommen, die Stadt Ersonts Tal vor uns - dicke Mauern, breite Türme und hohe Tore, grauer Stein aus dem Laree und weißes Holz aus der Kadamark. Die Festigkeit der Mauern konkurrierte mit dem optischen Eindruck der Erhabenheit. Das blaue Banner des Barons wehte uns im stetigen Wind aus dem Norden von allen Türmen entgegen und wir begaben uns in den Schutz der Stadtmauern. Im Inneren war die Stadt gleichfalls militärisch schlicht und funktional gehalten. Mir fiel die auffällig hohe Zahl an Pferden auf, und so fragte ich unseren Wirt danach. Er berichtete, dass es nördlich der Handelsstraße von Westen - wo sie aus dem Norden Vandriens herüberkam - nach Osten, bis nach Ersonts End, keine befestigten Lager mehr gab, weil das Wetter dies vor allem im stürmischen Morsan nicht sinnvoll machte. Die große und gut ausgebildete Reiterei des Grafen beherrschte die Ebene von Skap bis in die khalandrischen Grenzlande hinein vom Sattel aus.
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Ersonts End
Wir blieben nicht lange in Ersonts Tal, sondern wandten uns nach Osten, den Ausläufern des Skapen entgegen. Wir schlossen uns dafür einem Trupp Soldaten an, die das gleiche Ziel, Ersonts End, hatten, da wir viele Geschichten über von Norden hereinbrechenden Wolfsrudeln und Bärenfamilien gehört hatten. Nach fünf Tagen steten Rittes erreichten wir die Steigung und zogen weiter den Bergen, die sich die Tage über langsam aus dem Horizont erhoben hatten, entgegen. Die Straße mäanderte nun und umschiffte sanft die Hügel. Am sechsten Tage unseres Rittes bogen wir, bereits auf beiden Seiten von Gebirgszügen eingeschlossen, um eine Kehre und wurden eines unbeschreiblichen Anblickes gewahr. Von einem Hochplateau des Skapentrolls - so hieß der Berg, den wir umrundeten - stürzte sich in einem gut dreihundert Schritt hohen Wasserfall der wohl erstaunlichste aller Flüsse Tares den Felsen hinunter: der Shamet!
Farbiger Shametfall wurde er genannt, und als die Wolken am Himmel aufrissen, konnten wir sehen, weshalb. Der Weg führte uns unter die überhängende Felswand des Skapentrolls in den Rücken des Wasserfalles, sodass wir schließlich in einem unwirklichen Tunnel zu stehen kamen, links von uns die Felswand, über uns der Fels und rechts von uns der Wasserfall, der donnernd weiter nach unten in das Tal fiel. Die Sonne strahlte durch das Wasser hindurch, und wie an einem Regenbogen warfen die gebrochenen Lichtstrahlen bunte, flackernde Farben an die Felswände und auf uns. Es konnte einem angst und bange werden bei so viel Schönheit der Natur.
Der Shamet fließt in seinem weiteren Verlauf nach Süden und riegelt damit die Grafschaft zum Laree hin ab, ehe er sich dann in einen unterirdischen Schlund in der Flanke des Larees stürzt. Man sagt, dass die mächtige Quelle, die auf der südöstlichen Seite des Larees hervorspringt, von diesem Wasser gespeist wird, das sich unterirdisch unter dem Berg hindurchgefressen hat, und nennt ihn dort deshalb seiner Färbung nach "grauer Shamet", so wie er in den Shametsee in Kettel und der Khadamark fließt.
Wir verließen mit diesen Eindrücken das herrliche Schauspiel des Shametfalles und stellten erleichtert fest, dass es wieder bergab ging. Langsam öffneten sich die Flanken der Berge wieder und gaben den Blick auf eine Hochebene frei, die von großer Trockenheit geprägt zu sein schien. Dunkle kurze Gräser, kleine trockene Büsche und kaum Wind. Eine stehende Luft wie in einem kleinen Talkessel schlug uns entgegen. Wieder hatten wir eine Wetterscheide überschritten, kein Nordwind erreichte diese Gebiete.
Vor uns baute sich die Feste Ersonts End auf. Sie lag auf einer künstlich aufgeschütteten Anhöhe von gut dreißig Schritt Höhe und erhob sich wie ein Keil in östliche Richtung. Zweihundert Schritt schien sie nur breit zu sein, doch gleichzeitig mehr als tausend Schritte lang. Die Mauern waren von außen glatt und von kompakter Bauweise. Die schwer befestigten Mauerkronen schienen von Speeren und brennenden Ölfeuern nur so zu wimmeln. Die drei stämmigen Türme auf der Ostseite der Feste bargen auf den Plattformen schwere Katapulte und das Tor, welches am höheren Hang im Westen lag, war heruntergelassen und schwer besetzt. Es wurde extra für uns heraufgezogen und wir wurden hineingebeten.
Es schlug uns die gleiche ruhige gezielte Gastfreundschaft entgegen, wie schon in den anderen Festen und Siedlungen der Grafschaft. Man führte uns durch die engen Gassen der Holzhäuser, die den schmalen Raum zwischen den dicken Steinmauern fast vollständig ausfüllten, bis zu einer kleinen Fremdenherberge im Handwerkerviertel. Als wir später beim Essen nach dem Grund für den kriegsbereiten Eindruck der Feste fragten, gab man uns bereitwillig Antwort: "Den Orken im Osten ist nicht zu trauen!"
Und so thronte Ersonts End über dem grünen Hang als letzte Bastion galadonischer Ordnung in Sichtweite der Grenze. Denn die größten Anteile der angrenzenden Baronie Ravel, ihre weiten Steppen und Sümpfe waren Orkenland.
Farbiger Shametfall wurde er genannt, und als die Wolken am Himmel aufrissen, konnten wir sehen, weshalb. Der Weg führte uns unter die überhängende Felswand des Skapentrolls in den Rücken des Wasserfalles, sodass wir schließlich in einem unwirklichen Tunnel zu stehen kamen, links von uns die Felswand, über uns der Fels und rechts von uns der Wasserfall, der donnernd weiter nach unten in das Tal fiel. Die Sonne strahlte durch das Wasser hindurch, und wie an einem Regenbogen warfen die gebrochenen Lichtstrahlen bunte, flackernde Farben an die Felswände und auf uns. Es konnte einem angst und bange werden bei so viel Schönheit der Natur.
Der Shamet fließt in seinem weiteren Verlauf nach Süden und riegelt damit die Grafschaft zum Laree hin ab, ehe er sich dann in einen unterirdischen Schlund in der Flanke des Larees stürzt. Man sagt, dass die mächtige Quelle, die auf der südöstlichen Seite des Larees hervorspringt, von diesem Wasser gespeist wird, das sich unterirdisch unter dem Berg hindurchgefressen hat, und nennt ihn dort deshalb seiner Färbung nach "grauer Shamet", so wie er in den Shametsee in Kettel und der Khadamark fließt.
Wir verließen mit diesen Eindrücken das herrliche Schauspiel des Shametfalles und stellten erleichtert fest, dass es wieder bergab ging. Langsam öffneten sich die Flanken der Berge wieder und gaben den Blick auf eine Hochebene frei, die von großer Trockenheit geprägt zu sein schien. Dunkle kurze Gräser, kleine trockene Büsche und kaum Wind. Eine stehende Luft wie in einem kleinen Talkessel schlug uns entgegen. Wieder hatten wir eine Wetterscheide überschritten, kein Nordwind erreichte diese Gebiete.
Vor uns baute sich die Feste Ersonts End auf. Sie lag auf einer künstlich aufgeschütteten Anhöhe von gut dreißig Schritt Höhe und erhob sich wie ein Keil in östliche Richtung. Zweihundert Schritt schien sie nur breit zu sein, doch gleichzeitig mehr als tausend Schritte lang. Die Mauern waren von außen glatt und von kompakter Bauweise. Die schwer befestigten Mauerkronen schienen von Speeren und brennenden Ölfeuern nur so zu wimmeln. Die drei stämmigen Türme auf der Ostseite der Feste bargen auf den Plattformen schwere Katapulte und das Tor, welches am höheren Hang im Westen lag, war heruntergelassen und schwer besetzt. Es wurde extra für uns heraufgezogen und wir wurden hineingebeten.
Es schlug uns die gleiche ruhige gezielte Gastfreundschaft entgegen, wie schon in den anderen Festen und Siedlungen der Grafschaft. Man führte uns durch die engen Gassen der Holzhäuser, die den schmalen Raum zwischen den dicken Steinmauern fast vollständig ausfüllten, bis zu einer kleinen Fremdenherberge im Handwerkerviertel. Als wir später beim Essen nach dem Grund für den kriegsbereiten Eindruck der Feste fragten, gab man uns bereitwillig Antwort: "Den Orken im Osten ist nicht zu trauen!"
Und so thronte Ersonts End über dem grünen Hang als letzte Bastion galadonischer Ordnung in Sichtweite der Grenze. Denn die größten Anteile der angrenzenden Baronie Ravel, ihre weiten Steppen und Sümpfe waren Orkenland.
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